Motivation

Unsere Adoptions-Geschichte
1994
stand unser Entschluss fest, wir wünschten uns ein Adoptivkind in
unsere Familie aufzunehmen. Wir hatten bereits einen leiblichen Sohn, Tim,
damals 5 Jahre alt,aber
mit einer weiteren Schwangerschaft wollte es nicht klappen.
Es brauchte eine Weile, bis wir uns sicher
waren, dass es für uns nicht wichtig ist ein Kind selbst auf die Welt gebracht zu haben. Es gab Kinder, die Eltern brauchten und wir wünschten uns mit Kindern zu leben, daher – so unser Gedanke -
dass man diese Eltern und diese Kinder zusammenbringen sollte.
Wir meldeten uns bei dem für uns zuständigen Jugendamt und durchliefen das
Adoptionseignungs-verfahren. Es folgten mehrere Gespräche und ein Hausbesuch, 11
Monate später war das Verfahren mit positivem Ergebnis abgeschlossen. Die Freude darüber währte nur kurz, denn schnell wurde klar, dass wir keine realistische Chance auf die Vermittlung eines
deutschen Kindes hatten. Die Liste der Bewerber war lang und die wenigen Kinder, die zur Adoption freistanden wurden fast ausnahmslos an kinderlose Ehepaare vermittelt.
Wir wandten uns daraufhin an, die damals nur sehr wenigen, in Deutschland zugelassenen Adoptionsvermittlungsstellen für Auslandsadoptionen, große Hoffnungen wurden uns jedoch nicht gemacht. Auf jahrelange Wartezeiten wurde hingewiesen und erneut auf die Tatsache, dass wir bereits einen Sohn hatten. Unser Ziel erschien uns weit entfernt.
In der nächsten Zeit beschäftigten wir uns
mit der einschlägigen Literatur über Auslands-adoptionen. Wir hörten von Paaren, die auf eigene Faust nach Südamerika, Polen oder Russland gefahren waren, doch das Risiko erschien uns so groß. Wir
wollten sicher sein, dass alles geordnet und legal ablaufen würde. Letztendlich fanden wir mehr zufällig
im Internet die Anschriften und Webseiten zahlreicher ausländischer Adoptions-Agenturen
und begannen einen regen Schriftwechsel führen. Nach längerem, intensivem und
persönlichem Kontakt entschlossen wir uns für die amerikanische Agentur Global Adoption Services, Inc., die bei der Vermittlung von Kindern aus Russland Hilfestellung leistete. Die Agentur arbeitete
bis zu diesem Zeitpunkt nur mit Amerikanern, eine Adoption mit einem deutschen Paar war daher auch für die Agentur eine ganz neue Erfahrung.
Wir erhielten Informations- Material, füllten viele Fragebögen aus und zahlten
die erste Gebühr. Ende
August 96 wurden wir als Bewerber anerkannt und erhielten eine Liste mit den erforderlichen Adoptionspapieren. Die Zusammenstellung der Dokumente war kompliziert, da wir niemanden kannten, der
bereits ein Kind aus Russland adoptiert hatte und uns hätte helfen können. Die Behörden waren mit unseren Dokumentenwünschen oftmals überfordert, da sie nur sehr wenig oder auch gar keine Erfahrungen
mit Auslandsadoptionen hatten. Auch der Sozialarbeiter unseres Jugendamtes war nicht sofort von unserem Vorhaben überzeugt. Nachdem wir ihm jedoch geeignete Dokumente der Agentur aus den USA und aus
Russland vorlegen konnten, erklärte er sich bereit, uns bei unserem Vorhaben zu unterstützen und unseren Sozialbericht nach Russland zu übersenden.Im Juni 97 hatten wir endlich unser
Adoptionsdossier fertig gestellt.nur 4 Wochen später erhielten wir die
freudige
Nachricht, dass die russischen Behörden einen kleinen Jungen für uns vorgesehen
hätten, Vadim, 2,5 Jahre alt.
Im August 97 traten wir unsere Reise nach Russland/Nizhny Novgorod an. Unser Sohn Tim, inzwischen 7 Jahre alt, begleitete uns. Wir hatten uns nach einigen Überlegungen entschlossen ihn mitzunehmen,weil uns dies richtiger erschien. Tim sollte sehen, woher sein Bruder kommt und auch Vadim sollte sofort seine gesamte neue Familie kennen lernen. In Nizhny Novgorod wurden wir am Flughafen von einem russischen Mitarbeiter der Agentur in Empfang genommen. Die Betreuung war hervorragend und wir fühlten uns mit ihm gleich gut aufgehoben.Wir hatten oft überlegt, wie die erste Begegnung mit Vadim sein würde und was wir tun könnten, um die erste Fremdheit und sprachliche Schwierigkeiten zu meistern.
Doch es kam ganz anders...
Als wir im Besucherraum des Kinderheims warteten, hörten wir plötzlich die noch
unsicheren Schritte eines Kleinkindes, im nächsten Moment flog die Tür auf und
Vadim rief: "Mama!" - und kam mit ausgebreiteten Armen auf uns zu.
Wir brauchten nur noch die Arme auszustrecken und ihn an uns zu drücken. Sprache
war nicht mehr wichtig, wir kamen auch ohne Worte schnell in das gemeinsame
Spiel. Vadim war viel zu klein für sein Alter und sehr dünn. Er hatte erst gerade das Laufen erlernt und war noch sehr wackelig auf den Beinen. In seiner allgemeinen Entwicklung war er in vielen
Bereichen 1-1,5 Jahre zurück. Für uns war das nicht wichtig, denn wir hatten ihn in diesem ersten Moment der Begegnung bereits angenommen. Wir durften alleine mit Vadim auf den Spielplatz gehen und
ihn täglich mehrere Stunden besuchen. Wir sahen, dass Vadim sich immer sehr auf unseren Besuch freute und auch wir konnten den jeweils nächsten Tag kaum erwarten. Tim und Vadim hatten von Anfang an
eine gute Beziehung und sofort ein gemeinsames Spiel, - Autos und Fahrzeuge aller Art.
Am 7. Tag fand der Gerichtstermin statt.
Nach zweistündiger Verhandlung wurden wir offiziell zum zweiten Mal in unserem Leben Eltern.Wir gaben Vadim noch einen zweiten Vornamen
- Leon - und unsere Gefühle waren nicht weniger intensiv als bei der Geburt von Tim. Wir waren glücklich.
Nach der Ankunft in Deutschland, hatten wir in den ersten Monaten sehr mit Leons
Eingewöhnungsschwierigkeiten und Trennungsängsten zu kämpften. Er schlief sehr
wenig und schrie oft stundenlang, ohne dass wir am Anfang einen Grund dafür
finden konnten. Er aß nur Brei und Schokoladen-Pudding, hatte das Kauen noch
nicht erlernt. Viele Dinge, die für uns selbstverständlich erschienen kannte er
nicht, denn er hatte das Kinderheim nie verlassen. Mit dem Auto fahren, Einkaufen gehen und
viele Dinge, die für hiesige Kinder selbstverständlich sind, waren für Leon neu
und aufregend und manchmal auch von Angst begleitet.Nachdem es uns jedoch gelungen war, Leons
Vertrauen allmählich zu gewinnen, verbesserte sich die Situation stetig. Als
Leon begriff, dass seine neue Familie auch nach dem Aufwachen noch da war, fand
er endlich in einen ruhigeren und längeren Schlaf. Als er entdeckte, dass es viel köstlichere Dinge als Brei und Jogurt gibt, wurde sein Appetit zunächst grenzenlos. So wuchs er im ersten Jahr 12 cm
und nahm auch entsprechend an Gewicht zu.
Heute ist Leon16 Jahre alt. Er besucht mit Freude und Erfolg die Schule, hat dort viele Freunde und ist ein selbstbewusster und sehr kommunikativer junger Mann geworden. Die beiden Brüder, Tim, jetzt 21 Jahre alt und Leon haben bis heute ein sehr gutes brüderliches Verhältnis.
Diese schöne Erfahrung mit der eigenen
Adoption und die vielen Eindrücke während unserer Russlandreisen haben uns nicht mehr losgelassen und uns auf diesen, unseren Weg gebracht – die Gründung eines Vereins im Jahre
2001 und die Gründung
einer
Adoptionsvermittlungsstelle im Jahre 2002 – …und zu einer weiteren Adoption…
2003 adoptieren wir Felix im Alter von 2
Jahren ebenfalls aus Nizhny Novgorod,
Russische Föderation. Er ist jetzt 10 Jahre alt und wir sind sehr stolz auf alle
unsere Kinder, die eine wunderbare Entwicklung in all den Jahren genommen
haben.
In der Russischen Föderation leben derzeit
ca. 700 000 Kinder ohne
elterliche Sorge.
Wir möchten dabei helfen, dass Kinder in
einer liebevollen Familie
aufwachsen können.
Russische Föderation - Ukraine - Bulgarien - Ungarn
